Die Geschichte der Trachtenvereine in Bayern


Lehrer Vogl Die Geschichte der Trachtenvereine in Bayern beginnt im Jahre 1883. Im bayerischen Bauernstand wurde die lebendige Tracht nach und nach als unmodern empfunden und nicht länger getragen. Auch Anordnungen der Regierung unter König Ludwig II, zur Erhaltung der Volkstracht von staatlicher Seite beizutragen, konnten bis dahin nicht viel ausrichten.
Am 25.8.1883 gründete deshalb der Dorfschulmeister Joseph Vogl aus Bayrischzell zusammen mit einigen kernigen Oberlandlern den ersten Trachtenverein um Tracht, Sitte und Brauchtum der Altvorderen zu pflegen und der Nachwelt zu erhalten.
Vom Jahre 1890 an schlossen sich die Vereine zu regionalen Dachverbänden, den sogenannten Gauverbänden zusammen, die 1925 in den "Vereinigten Trachtenverbänden des bayerischen Oberlandes", die viel später in die "Vereinigten bayerischen Trachtenverbände" übergingen, eine gemeinsame Dachorganisation fanden.
Vom 15.-17.8.1930 fand der erste große Aufmarsch der gesamten Trachtenbewegung statt: "Bei strahlend weiß-blauem Himmel marschierten weit über zehntausend Männer und Frauen, Dirndl und Buam, darunter auch die besonders freudig begrüßten Freunde aus den österreichischen Nachbartälern, in ihren schönsten Trachten aus allen Gauen durch die festlich geschmückte Stadt Rosenheim. Ein herrliches Bild und eine Demonstration für Volkstum und Heimat, wie sie bis dahin noch kein Auge gesehen hat."
In Zeiten der Wirtschaftskrise bewährte sich die Treue der Trachtler unter sich, indem durch Spenden manche Not gelindert werden konnte.
Elke Während des dritten Reiches wurden die Trachtenvereine gleichgeschaltet und letztendlich in die NS-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" eingegliedert. Hauptsächlich wirkten die Vereine in jener Zeit im Stillen, da die auf die Gläubigkeit der Trachtler hinweisenden Embleme den Herren des NS-Regimes ein Akt wider ihrer großkotzigen Pläne waren.
Durch den zweiten Weltkrieg kam die Vereinsarbeit völlig zum Erliegen, so daß man im Jahre 1945 buchstäblich an der Stunde Null stand.
Neues Leben erwuchs schnell aus den Ruinen. Bereits im Juni 1945 leuchteten mancherorts bereits die Sonnwend- und Johannisfeuer gen Himmel und verkündeten den Aufbruch der alten wiedererstandenen Liebe zu Volkstum und Heimat. Nach dem alliierten Miltiärgesetz konnten die Vereine und Gaue bald lizensiert werden und unter Ausschluß belasteter Personen ihre Arbeit wieder aufnehmen.
Nach zahlreichen größeren und kleineren Veranstaltungen der gesamten bayerischen Trachtenbewegung, z.B. anläßlich der olympischen Sommerspiele 1972 konnte am 3. Juli 1983 das Jahrhundertfest der bayerischen Trachtler mit einem Aufmarsch von 25000 Trachtlerinnen und Trachtlern in München feierlich begangen werden.
Nicht ganz ohne Stolz verweisen wir auf das zweite Bild, das zwei Mitglieder unseres Vereins auf dem Jahrhundertfest 1983 in München zeigt.